Daniel Pietzsch

Personal blog. Mostly photos.

“Es ist beinahe peinlich, aber ich habe tatsächlich einen Trick, wenn ich für einen Auftraggeber Leute fotografieren muß. Ich habe einen kleine Fahrradhupe in der Tasche, und wenn jemand allzu verkrampft wirkt oder griesgrämig dreinblickt, hupe ich. Dadurch wird das Eis gebrochen. Es ist albern, aber es funktioniert. Außer wenn… Einmal musste ich den Vorstand eines multinationalen Konzerns – den Namen verschweige ich – fotografieren, und die Herren saßen in einem ganz in Mahagoni getäfelten Raum an einem riesigen dunklen Tisch und hingen mit grimmigen Mienen ihren eigenen Gedanken und Problemen nach. Ich holte meine Hupe hervor und hupte. Keiner zeigte die geringste Reaktion, bis auf den PR-Mann. Der sah aus, als würde er jeden Moment einen Herzanfall bekommen. Ich habe von dieser Firma nie wieder einen Auftrag bekommen. Aber bei Chruschtschow hat der Trick funktioniert. Ich wollte, dass er sich zu mir umdrehte. Ich hupte, er drehte sich nach dem seltsamen Geräusch um, und ich hatte mein Bild im Kasten. Hat ihn nicht gestört. Manchmal lassen ich die Hupe in der Tasche und drücke immer wieder drauf, und dann weiß der andere nicht, was er denken soll. Das Gehupe sagt ja tatsächlich etwas aus. Es besagt, dass wir beide wissen, dass das, was wir da tun, ohnehin irgendwie albern ist und dass wir deshalb genausogut versuchen können, das Beste daraus zu machen. Es ist nichtverbale Kommunikation, die dazu führt, dass sich beide besser fühlen. Und ich bekommen ein menschlicheres Bild.”
Elliot Erwitt, Mai 1988 im Buch “Personal Exposures”.